777 Jahre Stadtgeschichte

Es gibt nur ein Berlin. Und Berlin hat einen Gründungsort.

Der Ursprung Berlins ist das Nikolaiviertel – mittendrin liegt mit der Nikolaikirche das älteste erhaltene Gebäude der Stadt und Berlins erste Kirche.

Die Geschichte der Stadt Berlin, 1237 erstmals nachweisbar urkundlich erwähnt, begann als östliche Hälfte der von der Spree geteilten Doppelstadt Berlin-Cölln, die sich an einem Kreuzungspunkt von Handelswegen zu Land und Wasser beiderseits der Spree gegründet hatte und zunächst durch den Mühlendamm und später durch eine Brücke miteinander verbunden war.

Unter der Herrschaft der Hohenzollern wurde das städtische Duett an der Spree 1432 zur einigen Stadt Berlin erklärt – Berlin hat also eine lange Erfahrung mit Vereinigungen. Die von 1432 kam vermutlich wenig überraschend, zumal die Hälften schon vorher einen gemeinsamen Rat etabliert hatten. Lange Zeit blieben das heutige Nikolaiviertel, der Markt und der Mühlendamm merkantiles Zentrum der wachsenden Stadt.

In späteren Zeiten wurde Berlin die Hauptstadt eines immer bedeutender werdenden Brandenburg-Preußens mit seinen berühmten Kurfürsten und Königen zwischen absolutistischem Machtdenken und Aufklärung. Das Nikolaiviertel, ein Nachbar des im Zweiten Weltkrieg beschädigten und 1950 gesprengten Stadtschlosses, blieb über Jahrhunderte ein Zentrum gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Entwicklungen.

Im 19. Jahrhundert erstarkt das Bürgertum, die preußische Städteordnung wird eingeführt. In der Nikolaikirche wird der neue Berliner Magistrat eingesegnet. Berlin wird Hauptstadt zuerst des Kaiserreiches, dann der Weimarer Republik und des Dritten Reiches.
Das jüdische Kaufhaus Israel, im Nikolaiviertel zu bedeutender Größe herangewachsen, wird von den Nazis zunächst „zwangsarisiert“ und schließlich, wie auch das übrige Viertel, im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Berlins erste Kirche bleibt für lange Jahre eine dachlose Ruine.

Erst in den 1980er Jahren nimmt die DDR den Wiederaufbau des stadtzentralen Areals am Roten Rathaus in Angriff und besinnt sich dabei ihrer Geschichtlichkeit. Das Nikolaiviertel ersteht wieder auf – in einer einzigartigen Mischung von historischen Gebäuden, Repliken und Komplexen in Elementbauweise mit Arkaden und Hansegiebeln, die durch ein mittelalterliches Gassenbild und eine Uferpromenade an der Spree verbunden sind. Pünktlich zur 750-Jahr-Feier (1987) hat zumindest eine Hälfte Berlins ein identitätsstiftendes Areal und seinen Gründungsort zurück – nur kurze Zeit vor der Wende ...

Schließlich wird im Januar 1991 die erste (konstituierende) Sitzung eines Gesamtberliner Abgeordnetenhauses in der Nikolaikirche abgehalten. Das Nikolaiviertel und seine Kirche werden als Zentrum und Ausgangspunkt der gemeinsamen Stadtgeschichte und von demokratischer Stadtentwicklung gewürdigt.

Heute ist der historische Kern Berlins nicht nur ein Ort voller Geschichte, sondern selbst ein Zeitdokument, voller typisch Berliner Widersprüchlichkeit. Vor allem aber ein Viertel mit einer unnachahmlichen Mischung und Dichte an Möglichkeiten zum Genießen, Erfahren, Flanieren und Entspannen – letztlich eben Berlins guter Kern.

Mehr Informationen zur Stadt und ihrer Geschichte bieten die sehenswerten Ausstellungen der Museen und die 20 Tafeln des historischen Pfades.