Architektur

Die vielen Jahrhunderte ...

der eigenen Geschichte haben der Hauptstadt zwar keine klassische und intakte mittelalterliche Altstadt hinterlassen, aber dann wäre Berlin ja auch nicht Berlin, diese einzig im Wandel beständige Stadt mit ihrer schon sprichwörtlich chronisch regen Bautätigkeit und den im Zweiten Weltkrieg erlittenen Zerstörungen.

Das Nikolaiviertel ist echt Berlin, echt Berlin seit 1237 – mit allen Konsequenzen, die das für das architektonische Gesicht des Viertels nach sich zieht: eine Vielfalt aus acht Jahrhunderten und verschiedenen Dekaden seit dem späten 19. Jh., wie sie wohl selten beieinander ist.

Baudenkmäler mit Alleinstellungsmerkmalen und Seltenheitswert, aber auch die Neubauten der 1980er machen den Gründungsort Berlins somit auch zu einem Ort für architekturinteressierte Entdecker.

Zu den älteren Originalen gehören die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaute Nikolaikirche mit ihrem mittelalterlichen Feldsteinfundament und das 1759–61 auf einem mittelalterlichen Kellergewölbe errichtete Knoblauchhaus , welches das letzte in Berlin-Mitte erhaltene Bürgerhaus aus dem 18. Jh. ist. Natürlich auch das ursprünglich 1762–66 errichtete und barocke Ephraim-Palais . Für alle drei gilt, dass der Blick ins Innere (es sind Museen) ebenso problemlos möglich wie begeisternd ist – nicht nur architektonisch.

Nicht minder interessant sind die jüngeren Originale aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die mal als typische, mal als herausragende Vertreter von Stil und Zeit gelten dürfen, wie beispielsweise das ehemalige BEMAG-Haus mit seiner von Siegelsburger Kacheln geprägten Fassade (1935), das Lesser & Hardt-Haus (1907) mit einer hellen Muschelkalkfassade oder das Kurfürstenhaus (1895–97), das mit rotem Sandstein Formen der Renaissance rezitiert.

Prägend für das Viertel ist aber auch eine Vielzahl rekonstruierter Gebäude, für die hier stellvertretend die Gerichtslaube und das Gasthaus „Zum Nussbaum“ namentlich genannt sind. Rekonstruiert wurden nach Stichen, alten Fotografien und Bauzeichnungen aber gleich ganze Häuserzeilen am Nikolaikirchplatz, entlang des Mühlendamms sowie in Teilen der Post- und der Propststraße, sodass man sich im Viertel vielerorts tatsächlich von einer umfangreich erhaltenen und historischen Bausubstanz umgeben wähnt, die vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert reicht.

Spannend sind auch die Neubauten, welche Historisches ganz bewusst nicht imitieren, sondern – ganz im Gegenteil – Arkaden und Hansegiebel stilisiert und in Beton gegossen frei und eigenständig rezitieren. Die Originale und Repliken werden somit dezent kontrastiert und hervorgehoben.

Mehr Informationen zur frühen Entwicklung Berlins, dem Wiederaufbau des Viertels und einzelnen Gebäuden, Bauherren und Architekten bietet Ihnen der historische Pfad vor Ort.